Das Projekt "Rückührung Töpferofen wurde maßgeblich gefördert. Wir bedanken uns herzlich!

 

 

Beitrag der Westfälischen Nachrichten zur Rückführung des Töpferofens vom 25.08.2026

-jöw-. Tecklenburg. Um 13:00 Uhr hebt sich das Gut von „unschätzbaren Wert“, so Anna Windmüller, Restauratorin des Landschaftverbandes Westfalen-Lippe, vom Sattelschlepper vor der Leedener Siftskirche empor. Siebeneinhalb Tonnen wiegt der vier Meter lange und zwei Meter breite historische Töpferofen. Ab dem Moment des Schwebens gleitet der Sensationsfund des Jahres 1976 vom Bestand des Industriemuseums für Ziegelei, Lage über in den Bestand des Heimatvereins Leeden. Ein interessierter Kreis hat sich eingefunden: Mitglieder des Heimatvereins und der IG Leeden, aber auch zufällige Gäste betrachten mit Faszination und Ehrfurcht den Abladevorgang.

 

Um 10.04 Uhr am Montagmorgen hatte sich der Sattelschlepper vom LWL Ziegeleimuseum Lage auf die zweiundneunzig Kilometer langen Strecke über die A33 hin zum Stiftsort in Bewegung gesetzt. Verpackt in einem Holzkokon, eingewoben in schwarzer Kunstofffolie und nach unten hin gesichert mit einer Stahlkonstruktion geht es über die Autobahn gen Teuto. Nun wird die wertvolle Fracht Zentimeter für Zentimeter vom Hänger Richtung Endposition bewegt. An dem fünfzehn Meter Kran spannt die Last am Haken das Stahlseil. Die Sensation aus dem Habichtswald hängt zwischen Himmel und Erde in der Luft. Er, der vor fünfzig Jahren mit Hilfe eines Bergungspanzers der Bundeswehr dem Waldboden des Habichtswaldes entrissen wurde, erhält nun im Schatten der evangelische Kirche, direkt neben dem Stiftshaus seine endglütige Ruhestätte. Spontaner Jubel macht sich um 13:18 Uhr breit unter den Anwesenden – der historische Töpferofen hat seine endgültigen Standposition gefunden.

 

Für Hermann Pötter erfüllt sich an diesem Tage ein Teil seiner Familiengeschichte: „Für mich ist das heute ein sehr historischer und außergewöhnlich schöner Tag,“ so das Urgestein des Heimatvereins. Seine Familie hätte am Pötterfeld gelebt und eben auch getöpfert, berichtet er. „Dreiviertel meines Lebens bin ich hinter ihm hergelaufen und habe immer wieder gefragt, ob wir ihn zurück haben können,“ so Pötter. .Jahrzehntelang habe er nur ein „Nein“ bekommen: „Aber jetzt gab es ein ‚Ja‘ und das ist gut für ganz Leeden!“

 

Anna Windmüller, Restauratorin des LWLs, Bereich Industriemuseen, Referat Restaurierung ist beim Transport in Lage und auch in Leeden als Hauptverantwortliche anwesend und koordiniert die Arbeiten. Sie findet es gut, dass der Ofen wieder in seine ursprüngliche Region verbracht wird. Die Archäologin beschreibt die Veränderung im Museumswesen: „Heute ist es so, dass archäologische Objekte in ihrer Fundsituation ausgestellt werden; also in ihrem eigentlichen Kontext,“ so die in Dortmund beheimatete Mitarbeiterin des LWLs. Dadurch konnte sich die Tür für den Heimatverein „öffnen“ und der Ofen durch die intensiven Bemühungen zurück in sein ursprüngliches Areal gelangen. Zudem passte der aus dem 13. Jahrhundert stammende nicht wirklich zu dem Industriemuseum. Und dennoch machte es nach ihren Worten zum damaligen Zeitpunkt Sinn, ihn in Lage anzusiedeln: „Weil es damals keinen andere Ort gab um ihn zu schützen und zu erhalten,“ so die Archäologin.

 

Der besterhaltenste mittelalterliche Töpferofen Nordeuropas wird anders als die daneben liegenden Gräber der Äbtissinen des Stiftes Leeden nicht wirklich Ruhe finden. Vielmehr wird in den nächsten Tagen ein Art „Glas-Sarkophag“ um die Bruchsteinmauer herum gebaut werden. Die Reise selbst hat er gut überstanden. Eine erste vor Ort vom LWL übernommene Prüfung ergibt, dass der Töpferofen beim Transport keinen Schaden genommen hat.

 

Unzählige Augenpaare können ihn von da an betrachten, bestaunen, bewundern. Der Heimatverein Leeden schätzt sich glücklich, den Töpferofen endlich ins eigene Inventar aufnehmen zu können. Bereits 1998 hatte der ehemalige Vorsitzende Rudolf Rogowski die Rückkehr des Ofens als epochales Ziel formuliert. Viele Zwischen-Etappen mussten bis dahin über all die Jahre beschritten werden. Rogowski steht auch heute Morgen vor dem Stiftshaus und betrachtet die Erfüllung eines jahrzehntelangen Wunsches. Rugowski berichtet, dass er bei jeder Führung im Stiftshaus darauf hingewiesen habe, dass der Ofen hier hin gehöre. Insbesondere, wenn er die in den Vitrinen befindliche Exponate von der Fundstelle dem interessierten Publikum im Stiftsmuseum zeigte. Nun ist dieses Ziel für alle Zeiten erreicht.Andächtig sind seine Gedanken bei der Herzenswunscherfüllung: „Mein Herz ist wieder etwas ruhiger geworden“.

 

Die Töpferei im Habichtswald dürfte von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts gearbeitet haben. Dieser Zeitansatz läßt sich durch historische Daten stützen. Im Jahre 1248 wurde das Stift Leeden gegründet, mit dem die Töpferei in Verbindung gebracht werden muß. Zum Untergang der Töpferei an dieser Stelle mag die um die Mitte des 14. Jahrhunderts ausbrechende Pest, die den Absatz reduziert haben wird, sowie auch die Tecklenburger Fehde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts beigetragen haben. Überraschend war 1977 die Vielfalt der im Habichtswald produzierten Töpferware.

 

Beinahe alle bisher bekannten Gefäßtypen dieser Zeitspanne, wie Kannen, Grapen, Schüsseln und Pfannen, aber auch andere Gebrauchsgegenstände wie Webgewichte, Spinnwirtel und reichverzierte Lichtstöcke sind hier hergestellt worden. Kerzenständer wurden auf der Abwurfhalde der mittelalterlichen Töpferei gefunden. Der größte ist 10 cm hoch. Besonders erfreulich war, das das Fundmaterial aus der Abwurfhalde auch einen Einblick in das keramische Spielzeug dieser Zeit bot. Besonders sind Fundstücke wie kleine Figürchen, Pferdedarstellungen, Murmeln und Miniaturgefäße. Diese Funde ermöglichten einen Einblick in das Kinderspiel der damaligen Zeit. In einer gesonderten Vitrine sind diese besonderen Exponate im Stiftsmuseum anzuschauen.

 

Erste Meilensteine im Projekt "Rückführung des historischen Töpferofens" erreicht

 

Als sich dem Heimatverein Leeden vor knapp drei Jahren die Gelegenheit bot, einen über 670 Jahre alten historischen Töpferofen aus dem Habichtswald zurück in seine Heimat nach Leeden zu holen, ahnte noch niemand, welche Ausmaße dieses Projekt annehmen würde. Aktuell ist der Ofen noch ausgestellt im LWL-Ziegeleimuseum in Lage/Lippe. Aufgrund der Umgestaltung des Museums brauchte er einen neuen Platz und so bot es sich an, den Ofen zurück in die Nähe seiner alten Wirkungsstätte zu bringen. Gesagt – getan. Viele kreative Ideen und Köpfe waren und sind nötig, um dieses Projekt zu stemmen. Letztendlich ist es nicht damit getan, den Ofen an eine andere Stelle zu platzieren. Er soll integriert werden in ein Gesamtkonzept mit verschiedenen Angeboten rund um die Töpfereigeschichte, die viele Jahrzehnte die Ortsgeschichte Leedens prägte. Auf dem Pötterfeld in Leeden-Loose wurde der Ton abgebaut, der dann in den Brennöfen im benachbarten Habichtswald zu Gebrauchskeramik und Kinderspielzeug verarbeitet und gebrannt wurde.

Diese Geschichte soll jetzt erlebbar gemacht werden. Daher beinhaltet das Gesamtkonzept auch eine Erlebniswerkstatt, in der später auch getöpfert werden kann sowie einen Matschplatz für Kinder. Die Anlagen und Wege rund um das Stiftshaus und die Lammers Werkstatt werden in dem Zuge saniert und neu gepflastert.

Ein großzügiges Förderprojekt mit dem „Heimatzeugnis“ des Landes Nordrhein-Westfalen macht es möglich. In einer Feierstunde Mitte Juni bekam das Vorstands- und Projektteam des Heimatvereins feierlich den Zuwendungsbescheid überreicht. Dazu war Regierungsvizepräsident Dr. Ansgar Scheipers eigens aus Münster nach Leeden gekommen. Dr. Scheipers würdigte in seiner Ansprache die Kreativität und das Zusammenspiel aller Akteure, die den Töpferofen an den ersten Ort seines Wirkens zurückholen. So eine Gelegenheit bekommt man nicht häufig. Der ebenfalls anwesende Bürgermeister Stefan Streit freute sich über die gelungene Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die den ganzen Ort einbeziehe und einen Lernort für Kinder und Jugendliche schaffe. Insgesamt ein Abend, der alle Beteiligten und auch viele der anwesenden Mitglieder des Vereins mit Stolz erfreut.

Das war der erste Meilenstein, den es zu erreichen galt. Seit Mitte August sind nun die Bau- und Sanierungsarbeiten rund um das Ensemble angelaufen. Die ersten Wege sind neu gepflastert, neue Leitungen und Verbindungen gelegt und die Anlagen insgesamt aufgewertet worden. Der nächste Schritt ist die Errichtung eines Ausstellungspavillons für den Töpferofen. Sobald das Gebäude steht, kann der Transport aus dem Museum in Lage nach Leeden organisiert werden. Schritt für Schritt entwickelt sich das Herzensprojekt des Heimatvereins Leeden. Dank des Zusammenspiels aller Beteiligten, wie Architekt, Bauleitung, Vorstandsteam und Bezirksregierung ist die Rückführung auf einem guten Weg.

Nicht zuletzt haben auch viele Leedener Bürger und Freunde des Heimatvereins ihren Anteil zu diesem Projekt beigetragen. Der vom Verein zu leistende Eigenanteil an der Landeszuwendung ist zum großen Teil aus einer öffentlichen Spendenaktion gestemmt worden, in der für einen bestimmten Betrag individuell mit Namen geprägte Klinkersteine erworben werden konnten. Diese Steine werden rund um das neue Ausstellungsgelände in die neue Pflasterung integriert. Ein wunderbares Zeichen für gelebte Dorfgemeinschaft. 

Ein Stück Leedener Geschichte kehrt zurück

He's coming home....- er kehrt zurück in seine Heimat: Der rund 670 Jahre alte Töpferofen aus dem Habichtswald soll aus dem LWL Museum Ziegelei Lage nach Leeden zurückkehren.

 

Eine wahre Bereicherung für unser Dorf und unser Stiftsmuseum, das nach der Rückführung um einen Ausstellungsraum und ein wunderbares Exponat reicher ist.

 

Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Rückführung.

 

Der historische Töpoferofen entstammt einer Töpferei aus dem Leedener Habichtswald. Dort wurde etwa in den Jahren 1250 bis 1350 Gerbrauchtkeramik wie Krüge oder Becher, aber auch Figuren und andere kleine Keramiken produziert. Das erforderliche Brennmaterial und der Ton kam aus dem angrenzenden Habichtwald und dem Pötterfeld.

 

Aufgrund seiner historischen Bedeutung - der Ofen gilt als der am besten erhaltene spätmittelalterliche Töpferofen in Nordeuropa, ist diese Rückführung nach Leeden eine einmalige Gelegenheit, auch diese Geschichte - neben der Klostergeschichte - erlebbar zu machen. Es soll ein repräsentativer Ausstellungsraum an der Stiftskirche mit verschiedenen Infotafeln errichtet werden, einen Dokumentar-Film und Kursangebote rund ums Töpfern - für und und alt - geben.

 

 

 

TOPFEROFEN_IM_RHEINLAND.pdf
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